Das Science-Fiction-Abenteuer „Avatar“ stellt einen neuen Rekord in der Filmindustrie auf: „Avatar“ lässt das Katastrophenepos „Titanic“ aus dem Jahr 1997 als erfolgreichsten Film aller Zeiten hinter sich. Nach vorläufigen Zahlen vom Wochenende war „Avatar“ einschließlich Sonntag beim weltweiten Einspielergebnis fast gleichauf mit „Titanic“ und dürfte am Montag vorbeigezogen sein. Dem kanadischen Regisseur James Cameron ist damit ein Kunststück gelungen, denn er hat beide Filme gedreht und belegt nun die Plätze eins und zwei in der ewigen Kinohitliste.

„Titanic“ war der bisherige Rekordhalter mit einem Einspielergebnis von 1,843 Milliarden Dollar in der ganzen Welt. „Avatar“ kam bis zum Sonntag auf 1,841 Milliarden Dollar. Weit dahinter folgt auf dem dritten Platz der letzte Teil der „Herr der Ringe“-Trilogie aus dem Jahr 2003, dessen Kinoumsätze nach Angaben des Branchendienstes Boxofficemojo.com 1,119 Milliarden Dollar erreichten.

Zu den sich abzeichnenden Rekordergebnissen von „Avatar“ hat maßgeblich das Geschäft außerhalb Amerikas beigetragen. Hier lag „Avatar“ einschließlich Sonntag mit 1,288 Milliarden Dollar schon klar vor „Titanic“ (1,242 Milliarden Dollar). In den Vereinigten Staaten wird „Avatar“ mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls einen neuen Rekord aufstellen, muss aber noch etwas warten: Bis zum Sonntag kam „Avatar“ auf einen Umsatz von 552,8 Millionen Dollar, „Titanic“ liegt bei 600,8 Millionen Dollar. In der Branche wird erwartet, dass „Avatar“ in Amerika in rund einer Woche an „Titanic“ vorbeiziehen wird.

Dass „Avatar“ neue Rekorde aufstellen würde, war nach dem Kinostart am Wochenende vor Weihnachten noch nicht absehbar. „Avatar“ schaffte am ersten Wochenende in Amerika ein solides, aber nicht spektakuläres Einspielergebnis von 77 Millionen Dollar. Es gab im vergangenen Jahr fünf andere Filme mit besseren Zahlen zum Kinostart. Dabei handelte es sich vor allem um Fortsetzungen etablierter Filmreihen wie „Transformers“ oder „Harry Potter“. Anders als diese Filme konnte „Avatar“ nicht auf eine etablierte Fangemeinde zählen. Der Film profitierte aber von glänzenden Kritiken, und offenbar half auch Mundpropaganda, denn „Avatar“ hielt seine Umsätze über Wochen hinweg stabil, während besser gestartete Filme einen schnelleren Abstieg erlebten.
Die Umsätze von „Avatar“ wurden auch dadurch beflügelt, dass der Film in einem großen Teil der Kinos in dreidimensionaler Technik gezeigt wurde. Kinotickets für 3D-Filme sind üblicherweise in Amerika 2 bis 5 Dollar teurer als reguläre zweidimensionale Vorführungen.
Allgemein hat „Avatar“ seinen Rekord höheren Ticketpreisen zu verdanken. Inflationsbereinigt wäre in Amerika der erfolgreichste Film aller Zeiten das Südstaatenepos „Vom Winde verweht“ aus dem Jahr 1939, das bei heutigen Ticketpreisen auf einen Umsatz von 1,485 Milliarden gekommen wäre. „Titanic“ liegt hier auf Rang 6, und für „Avatar“ reicht es bislang nur für Platz 26.

Weltweit dürfte „Avatar“ nach Branchenschätzungen am Ende die Marke von 2 Milliarden Dollar deutlich hinter sich lassen. Dabei sind die Einspielergebnisse im Kino nur der Anfang in einer langen Verwertungskette. So werden mit DVDs üblicherweise höhere Umsätze erzielt als im Kino. Für das Filmstudio Twentieth Century Fox, das zum Medienkonzern News Corp. gehört, wird „Avatar“ somit zu einer Goldgrube. „Avatar“ dürfte der teuerste Film aller Zeiten sein. Fox hat die genauen Produktionskosten nicht beziffert, die Schätzungen reichen von 230 Millionen bis 280 Millionen Dollar. Dazu kommen Marketingkosten, die in der Branche auf bis zu 150 Millionen Dollar geschätzt werden. Fox hat allerdings für die Produktion von „Avatar“ mehrere Finanzinvestoren gewonnen und damit sein Risiko gemindert.

FAZ





 
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